„Wenn die Stimme versagt, bleibt der Mensch ungehört.“ (Frei nach Konfuzius)
Dysarthrie
Dysarthrien sind erworbene Sprechstörungen, die z.B. infolge eines Schlaganfalls, einer Parkinson-Erkrankung, eines Schädel-Hirn-Traumas (SHT), Multipler Sklerose (MS) oder anderer neurologischer Erkrankungen auftreten können.
Ursache sind Schädigungen des Nervensystems, welche die Steuerung der am Sprechen beteiligten Muskeln beeinträchtigen. Dabei ist das Sprachwissen (Wortschatz und Grammatik) völlig intakt, jedoch ist die Ausführung der Sprechbewegungen gestört. Das Ausmaß kann sich je nach betroffener Hirnregion oder Nervenschädigung unterschiedlich äußern.
Es ist möglich, dass Betroffene:
Undeutlich, verwaschen oder nuschelnd sprechen, sodass sie schwer zu verstehen sind
Eine veränderte Stimme haben (z.B. heiser, rau, zu leise oder monoton)
In der Sprechatmung eingeschränkt sind (z.B. kurze Sprechphasen, Atemnot beim Reden)
Einen gestörten Sprechrhythmus zeigen (z.B. zu schnelles, überstürztes oder extrem verlangsamtes Sprechen)
Sprechen ist unser direktes Werkzeug im Alltag. Dies ist bei einer Dysarthrie mehr oder weniger stark beeinträchtigt und beeinflusst das soziale und berufliche Leben sehr, sodass der persönliche Leidensdruck der betroffenen Menschen enorm sein kann – unabhängig vom Ausmaß der Sprechstörung.
Die logopädische Therapie sollte möglichst früh beginnen, um die Beweglichkeit, Koordination und Kraft der Sprechmuskulatur optimal zu fördern.
Ehepartner und Angehörige brauchen Beratung und Begleitung, insbesondere im Erlernen von unterstützenden Kommunikationsregeln.
Wie lange eine logopädische Behandlung erforderlich ist, richtet sich nach der individuellen Entwicklung der Patienten und der Grunderkrankung. Eine vollständige Wiederherstellung der ursprünglichen Sprechweise ist nicht immer möglich.
Das Ziel ist die bestmögliche Verständlichkeit im Alltag, in schweren Fällen unter Nutzung von Ersatzstrategien oder technischen Kommunikationshilfen (z.B. Talker oder Schrifttafeln).
WICHTIG: Eine Dysarthrie ist keine geistige Behinderung und keine Sprachstörung! Betroffene verstehen jedes Wort, finden selbst die richtigen Worte und können logisch denken. Sie benötigen lediglich etwas mehr Zeit und Geduld beim Antworten!